- Texte
- Denken in Korrespondenzen, Andrea Klier
- Die Welt an ihren Strukturen spiegeln, Tina Lüers
- To reflect the world at their structures, Tina Lüers
- Im Universum der Simulation, Susanne Weiß
- In the Universe of Simulation, Susanne Weiß
- Landschaft als künstlerische Ausdrucksform, Susanne König
- Landscape as Artistic Expression, Susanne König
- Monte Vera, Susanne Ruembeli (de)
- Monte Vera, Susanne Ruembeli (en)
- Monte Vera, Press Release
- Neunzig Grad, Daniela Stursberg
- Geborgene Landschaften, Daniela Stursberg
- Bergen, Daniela Stursberg
- Palmen, Schwamm und Bergtreppe, Susanne Ruembeli
- Papierwald, Thibaut Verhoeven
- Stars of Stripes, Press Release
- Rapedius/Rindfleisch, Philippe Van Cauteren
- St. Katharinenkirche, Noemi Smolik und Benita Joswig
Geborgene Landschaften
Daniela Stursberg
Mit Wandobjekten und Zeichnungen haben Rapedius/Rindfleisch die Räumlichkeiten des Bürogebäudes der Künstlerhäuser Worpswede zu einem Ort der Ausstellung verwandelt.
Der Besucher wird zunächst durch ein Arrangement aus Papier gefalteten Objekten die Treppen hoch in die erste Etage geführt. Die in unterschiedlichen Grautönen gehaltenen Objekte wuchern wie Baumpilze an den Wänden. Mit dieser ironischen Verwandlung der Wandflächen interpretieren Rapedius/Rindfleisch das architektonische Erscheinungsbild neu. Durch die Transformation der räumlichen Situation und das subtile Unterwandern von vertrauten Wahrnehmungsmustern und Raumvorstellungen lassen sie uns die Umgebung neu entdecken. Ihre Kunst lädt dazu ein, weiter zu schauen und hinter dem Gewohnten etwas zu sehen, das über den rein funktionalen Aspekt hinausgeht – letztlich fordert sie uns zu einer bewussten Wahrnehmung der Umgebung auf.
„Geborgene Landschaften“, so nennen die beiden Künstler ihre Ausstellung. Das kann zum einen heißen: Hervorbringung einer künstlerischen Idee, deren Antrieb immer der Bezug zur Natur ist. Oder es meint die Landschaft, und vornehmlich die Berglandschaft, die Geborgenheit bieten kann, in der man sich sicher fühlen kann, ob im Tal, umgeben von schützenden Berghängen, oder auf der Spitze in unerreichbarer Höhe.
Mit diesem Thema spielt auch ein an der Wand befestigtes schwarzes Leinentuch, auf dem schwarze Stege reliefartig im Zickzackmuster hervortreten und an Gratlinien einer Berglandschaft erinnern. Davor stehen in hellem Kieferholz im Grundriß quadratisch aufgebaute Pfähle, die durch ihren Bezug zu dem kontrastreichen Hintergrund Assoziationen an Bergketten freigeben.
Es folgt eine Serie von farbigen Zeichnungen, die in Collagetechnik erstellt sind und in denen Kaffeesahnedeckel als Inspirationsquelle für das Weitermalen einer Landschaft genutzt wurden. Auch hier wird Material (alltägliches Nutzmaterial) zum Träger der Ironie und spielt subtil mit den Erwartungen des Betrachters, der erst bei genauerem Hinsehen nicht nur eine abstrahiert dargestellte Landschaft, sondern auch Text und Bild auf den Kaffeesahnedeckel erkennt.
Rapedius/Rindfleisch schematisieren in ihren Arbeiten, in denen formal verkürzte Zeichen für Begriffe stehen, die mit den Erwartungen des Betrachters korrelieren und ihm gleichzeitig doch zu verstehen geben, um was es sich handelt: nämlich um eine stilisierte und frei erfundene Darstellung von Natur, die in der Kombination mit ungewöhnlichen Objet trouvé wie den Kaffesahnedeckeln oder durch alltägliche Gebrauchsmaterialien wie Kopierpapier ein oftmals humorvoll/ironisches wie auch poetisches, stimmungsvolles Bild ergeben.
In der Arbeit “Nebelgebirge” gelingt den beiden Künstlern dann allein mit der simplen Technik des Kopierens ein überraschendes Mosaik verschiedener Grauabstufungen. Diese Hell- und Dunkelkontraste und die lineare Formgebungen sorgen dafür, dass das Bild eine dreidimensionale Tiefe bekommt und in seiner konstruierten Künstlichkeit dem Betrachter die Ansicht einer nebelumwobenen Alpenlandschaft suggeriert – fast könnte man meinen, diese Arbeit sei ein augenzwinkerndes Zitat auf die Werke von Caspar David Friedrich.
Thomas Rindfleisch, geb. 1975 in Hannover, und Martina Rapedius, geb. 1973 in Norden, haben bis 2004 an der HfBK Hamburg studiert. Seit mehr als fünf Jahren arbeiten sie als Künstlerduo zusammen. Ihre gemeinsamen Arbeiten wurden bisher in Einzel- und Gruppenausstellungen, u. a. in Hamburg, Paris, Santiago de Chile und New York gezeigt. Parallel zu der Ausstellung “geborgene Landschaften” in der Bergstrasse ist eine weitere Arbeit in der Grube der Großen Kunstschau zu sehen.
