Palmen, Schwamm und Bergtreppe

Susanne Ruembeli

Rapedius/Rindfleisch arbeiten im traditionellen Genre der Landschaft, das sie mit einem eigenwilligem Ansatz neu interpretieren. Mit Alltagsmaterialien wie Karton, Papier, oder Pappbechern schaffen sie Skulpturen, welche Strukturen der Natur zeigen. Diese erscheinen gleichzeitig vertraut und fremd: Der Betrachter wird einerseits in einen „natürlichen“ Kontext versetzt, den er sofort als solchen erkennt, andererseits offenbart ihre Abstraktion Künstlichkeit. Papierfaltungen erinnern an Baumpilze, aufgeschichtete Kartonboxen werden zu Palmstämmen und eine Wandzeichnung erinnert an den Schatten eines Palmenblattes und gleichzeitig an die Musterung eines Tieres. Damit überrumpeln Rapedius/Rindfleisch den gewohnten Blick und eröffnen neue poetische und ebenso schelmische Einblicke auf das Gewöhnliche. Dem Betrachter wird eine Treppe angeboten, um in Caspar David Friedrich’s Manier ein Bergpanorama zu geniessen, doch gleichzeitig ist der Zugang durch die fragile Bauweise verwehrt. Das Künstlerduo spielt mit seinem Publikum, und lockt mit neuen Ein- und Aussichten, die es dem Betrachter mit einem Augenzwinkern gleichzeitig entzieht. Mit solchen Landschaften gehören Rapedius/Rindfleisch in die Reihe zeitgenössischer Künstler wie Fischli/Weiss, Tara Donovan oder Katrin Sigurdardottir, die in ähnlicher Weise mit simplen Materialien natürliche Welten kreieren.